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Bonn. Das Technische Hilfswerk
blickt auf eine ereignisreiche Entwicklung und viele Jahre
ehrenamtliches Engagement zurück. Am 12. September 1950 erhielt Otto
Lummitzsch den schriftlichen Auftrag des damaligen Bundesinnenministers
Gustav Heinemann, mit der Aufstellung eines zivilen Ordnungsdienstes zu
beginnen. Heute ist die Bundesanstalt eine der modernsten
Hilfsorganisationen weltweit. Es war die Zeit der politischen und
kulturellen Veränderungen und Neuerungen im Nachkriegseuropa, als sich
Heinemann und Lummitzsch am 22. August 1950 in Bonn zu Gesprächen über
den Aufbau eines zivilen Schutzinstrumentes in der Bundesrepublik
trafen. Im Zivil- und Katastrophenschutz waren zum damaligen Zeitpunkt
kaum Strukturen in der neugegründeten Republik vorhanden. Daher bedeutet
die mündliche Zusage, die der Bundesinnenminister an jenem Abend gab,
eine entscheidende Neuerung im deutschen Zivil- und Katastrophenschutz.
Denn einen Monat später, am 12. September, hielt Lummitzsch den
Auftrag Heinemanns in Händen, mit „den Arbeiten für die Aufstellung
eines zivilen Ordnungsdienstes“ zu beginnen. Dies war die Geburtsstunde
des Technischen Hilfswerks und Lummitzsch wurde der erste Direktor. Seit
1953 ist das THW durch den Errichtungserlass des
Bundesinnenministeriums eine Bundesanstalt. In der Epoche des Kalten
Krieges und der Teilung Deutschlands auch zur Aufrechterhaltung der
„Öffentlichen Sicherheit“ gegründet, hat sich das THW seitdem in
vielerlei Hinsicht weiterentwickelt. Von Anfang an gleich geblieben, ist
jedoch der eigentliche Leitgedanke der Bundesanstalt: Die humanitäre
Idee, die hinter den Einsätzen der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer
steht. Der humanitäre Leitgedanke und das ehrenamtliche Engagement
trägt das THW nicht nur im Inland sondern auch weit über die Grenzen der
Republik und Europas hinaus.
THW - die „Blauen Engel“
Seit rund 60 Jahren ist das THW täglich in Deutschland im Einsatz,
um technische Hilfe zu leisten: Von den Unglücken, die in den sechziger
Jahren die Nation bewegten, wie die Sturmflut in Hamburg und das
Grubenunglück von Lengede, bis zu den Hochwassern an Elbe und Oder zu
Beginn des neuen Jahrtausends reicht die kompetente Hilfe der „Blauen
Engel“, wie die französische Bevölkerung die Helferinnen und Helfer des
THW nach deren Einsatz in Frankreich 1999 taufte. Die Reparaturarbeiten
nach der Sturmflut 1953 in den Niederlanden markieren den Beginn der
Einsätze des THW im Ausland. Es folgten humanitäre Hilfsleistungen nach
Dürreperioden, Bürgerkriegen und Erdbeben in Afrika, Europa und
Südamerika sowie in Süd- und Südostasien nach der Tsunami-Katastrophe.
2005 leistete das THW zum ersten Mal in seiner Geschichte in den
Vereinigten Staaten technische Hilfe.
Durch die kompetenten, schnellen und uneigennützigen
Hilfsmaßnahmen im In- wie im Ausland erbringt das THW einen Beitrag
dazu, Not und Unglück zu mindern. Es verwirklicht durch seine Einsätze
nach Unglücken und in seinen langfristig angelegten
Wiederaufbauprojekten im Namen der Bundesrepublik weltweit humanitäre
Hilfe. Dies hat nicht selten, wie nach dem Einsatz des THW in Skopje,
Jugoslawien 1963, zur Vertiefung der politischen Beziehungen zwischen
den Ländern geführt. Heute ist das THW als international tätige
Einsatzorganisation an der weltweiten Verzahnung aller
Hilfsorganisationen beteiligt. Als kompetenter Partner kommt dem THW
dabei sowohl bei den Vereinten Nationen als auch in der Europäischen
Union eine tragende Rolle zu.
THW - einmalig in seiner Struktur
In den sechs Jahrzehnten seit seiner Gründung hat das THW stets
neue Wege beschritten und sich kontinuierlich zu einer der modernsten
Hilfsorganisationen weltweit entwickelt, deren Faszination, Menschen in
Not zu helfen, sich in der steigenden Zahl der Helfer widerspiegelt.
Diese Wege wurden von vielen Förderern begleitet. Einer dieser Gönner
war der damalige Innenminister Hans-Dietrich Genscher, der den Wert des
Katastrophenschutzes für die Bevölkerung erkannte und die in den
siebziger Jahren beginnende Neuorientierung des THW förderte.
Heute ist das THW bestrebt, sich den verändernden Gefahrenlagen
anzupassen und seine Strukturen zu optimieren. Den Weg der
Modernisierung und des Wandels möchte das THW ganz nach dem Ideal des
ersten Bundesinnenministers und späteren Bundespräsidenten Gustav
Heinemann beschreiten: „Wer nichts verändern will, wird auch das
verlieren, was er bewahren möchte."
20.05.2009
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